A Christmas Story House

Vorgeschichte: “Fröhliche Weihnachten” (A Christmas Story) ist unser Lieblingsfilm zu Weihnachten. Ein fixer Termin an Heiligabend. Die Geschichte spielt in den Vierziger Jahren in Homan, Indiana (was in der englischen Version beim Schwenk über den Platz vor dem Higbees erwähnt wird).

Homan ist der Name einer Straße in Hammond Indiana, dem Heimatort von Jean Shepherd, dem Autor der Vorlage für den Film.  “In God we trust – all others pay cash” heißt jenes Buch und es ist autobiografisch. In USA haben Buch und Film Kultstatus. 

 

A Christmas Story - DVD - Reiseberichte

Bis vor fünfzehn Jahren lief der Film zur Weihnachtszeit auch bei uns im Free-TV. Heutzutage mag man es uns wohl nicht mehr zumuten, dass sich ein Junge zu Weihnachten ein Luftgewehr wünscht. 

Und genau darum geht es und um die Erlebnisse eines Jungen in der Weihnachtszeit, geschildert aus seiner Perspektive. Das ist wahrscheinlich das Geheimnis des Filmes, dass sich alle kleinen und großen Kinder hier wiedererkennen.

Leider haben wir bisher keine DVD mit deutscher Sprachspur gefunden. Bei Ebay werden oft selbstgemachte Kopien angeboten, denn auch in Deutschland hat der Film seine Fans. Bei Amazon allerdings kann man den Film als Stream anschauen zur Miete oder Kauf. Siehe Link.

UPDATE 25. November 2017: Endlich, endlich, endlich: Wir haben unsere deutsche DVD bei Amazon kaufen können. Hat zwar 25 Euro gekostet und wird wahrscheinlich bald entscheidend billiger.
Aber wir mussten sie einfach sofort haben. Format 16:9. Achten Sie auf den Anbieter, damit Sie keine schwarzgebrannte VHS/DVD-Kopie bekommen.

Es ergab sich bei unserer USA/Kanada-Tour 2017 die Gelegenheit einen Abstecher nach Cleveland zum “A Christmas Story House & Museum” zu machen. Hier folgt die Geschichte:

Es war ein strahlender, warmer Morgen im September und so garnicht weihnachtlich als wir beim “Christmas Story House & Museum” (ACSH – so kürze ich das ab jetzt mal ab) nahe des Zentrums von Cleveland, Ohio ankamen. 

Die Website hatte schon gewarnt, dass findige Anwohner versuchen würden uns auf Ihre, zu Parkplätzen umgewidmeten Grundstücke zu lotsen. Man solle vorzugsweise auf einem der sechs eigenen, kostenlosen Plätze oder an der Straße im Umfeld parken. Letzteres taten wir und gingen direkt zu dem, dem ACSH schräg gegenüber liegenden Souvenir-Shop um die Tickets für Haus- und Museumsführung zu kaufen.

Die erste Führung des Tages sollte um 10:15 Uhr beginnen. Weitere dann zu jeder folgenden halben Stunde.

Unser Führer, ein älterer, agiler Herr mit gut verständlichem englisch, fragte in unserer altersmäßig gut durchmischten Gruppe von ca. 25 Personen, ob jemand den Film noch nicht gesehen hätte. Zögerlich meldete sich eine Dame und erntete etwas mitleidige Blicke.  Der Guide erklärte es zu seiner vornehmsten Aufgabe, sie dazu zu bringen, dass sich das ändert. Ich denke, er hat es geschafft.

Die ganze Truppe machte sich auf den kurzen Weg zur Straßenecke vor dem Museum und direkt gegenüber dem Haus, wo der Guide zunächst ein paar Erläuterungen zum Haus und wie es in den Besitz von Brian Jones kam. Dieser, von Kindesbeinen an ein Fan des Films, scheiterte beim Augenarzt für die Ausbildung zum Army-Piloten. Seine Eltern ließen ihm als Trostpflaster eine der aus dem Film berühmt gewordenen Leg Lampen bauen und schickten sie zu seiner Kaserne. Dort platzierte Brian sie stilgerecht in seinem Fenster.  Das führte dazu, dass viele seiner Kameraden auch so eine Lampe wollten und damit eine Geschäftsidee  geboren war. Im ersten Jahr wurden 200 Leg Lamps in Heimarbeit gefertigt bevor es dann in die Serienproduktion ging.

Eines Tages entdeckte Brian, dass das Haus aus ACS per Ebay zum Verkauf stand. Startpreis 90.000 $. Dem Besitzer war der ideelle Wert der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Immobilie, wohl durchaus bewusst, denn der reguläre Preis für Häuser in dieser Nachbarschaft lag bei 20.000-30.000 $.

Brian rief den Inhaber an und bot im 150.000 $ per sofort wenn er das Haus aus Ebay herausnehmen würde. Kurzum, man wurde sich einig. Damit begann die mit 250.000 $ kostspielige Wiederherstellung des Zustands wie wir ihn aus dem Film kennen.

Soweit die Vorgeschichte. Wir gingen nun über die Straße und über die Veranda ins Haus. Man befand sich direkt im Wohnzimmer der Familie Parker.  An der Wand Portraitfotos von Ralphie (Peter Billingsley), seinem kleinen Bruder Randy  (Ian Petrella), Ralphies Mutter (Melinda Dillon) und Vater (Darren McGavin).

Unser Guide stand im Treppenaufgang und gab Informationen zu den Dreharbeiten und zu den Schauspielerin.  So sollte eigentlich Jack Nicholson den Vater spielen.  Dieser hatte gerade “The Shining” gedreht. Außer der Tatsache, dass seine Gagenforderung den Etat dieses als B-Movie angelegten “kleinen, unbedeutenden Films’ (so der Guide) gesprengt hätte, wären die Worte von Randy nach der Scut-Farkus-Prügelei, “Daddy wird Ralphie umbringen” ganz anders betrachtet worden. Dadurch bekam Darren McGavin die Rolle und entwickelte eine eigene Fluchsprache, die die Altersfreigabe “G” nicht gefährdete.

Zum Thema B-Movie: Regisseur Bob Clark hatte Anfang der achtziger Jahre zweifelhaften Ruhm erlangt, z.B. durch die Klamotte “Porkies”, von der die Filmfirma MGM einen zweiten Teil wünschte. Clark gelang es sozusagen als Zwischenprojekt, der Produktionsfirma sein  ACS unterzuschieben. Eher widerwillig ließ man es zu, förderte den Film aber in keiner Weise sprich Werbung. Der Film startete in 900 Kinos landesweit (allein in Ohio gab es zu dem Zeitpunkt mehr Kinos als 600). Die Kritiker hassen den Film (weil sie den Regisseur hassten) und nach zwei Wochen Laufzeit war schon Schluss. Später mehr darüber wie ACS doch noch Kult wurde.

Im Wohnzimmer des Hauses stehen zwei Couchen mit dem Rücken gegeneinander. In der Ecke ein geschmückter Weihnachtsbaum nebst Steckdosenchaos. Darunter die Geschenke, u.a. ďie blaue Bowlingkugel und das Autowachs für den Vater.

In der gegenüberliegenden Ecke der kleine Schreibtisch mit dem versteckten Red Ryder Gewehr. An der Wand das Radio an dem die beiden Jungs die Abenteuer der kleinen Waise Annie verfolgten.

Und im Fenster, das Schmuckstück des Wohnzimmers: Die Leg Lamp.

In der Küche natürlich die Spüle mit dem Unterschrank in dem Randy in Sorge um seinen Bruder und wie der Vater ihn bestrafen würde, den Nachmittag mit einem Glas Milch verbrachte. Dazu der Esstisch und ein Ofen, in dem der Schmortopf mit dem Truthahn steht.

An der Seitentür, durch die im Film die Bumpass-Köter eindrangen um den Truthahn zu ruinieren, die berühmte “Fragile”-Kiste geöffnet und den Blick auf den “Hauptgewinn”, die Leg Lamp,  freigebend. Die genannte Kiste hat die Aufschrift “his side up”. Das kommt daher, dass der Requisiteur beim Beschriften die Proportionen falsch einschätzte und kein Platz mehr für das “T” war. So kommt es, dass im Film die Kiste mal als “This…” und mal als “his…” zu sehen ist. 

Viele Innenaufnahmen fanden in einem Studio im kanadischen Toronto statt. Dort hatte man eine korrekt beschriftete Kiste. Eine Faustregel für Filmszenen im Haus: Vorhänge auf=Cleveland. Vorhänge zu=Studio.

Man konnte sich im Haus frei bewegen und durfte alles anfassen. Man hätte sogar in die rote Life-Seife im Badezimmer in der oberen Etage beißen können (was laut Guide auch viele tun), mit der Ralphie, nachdem er (in der deutschen Version) Sch… gesagt hatte, der Mund ausgewaschen wurde. Neben der Toilette das Dekodierrad für die Botschaften der kleinen Waise Annie und Ralphies Notizblock mit dem dekorierten Text.  An der Wand das Telefon mit dem Mutter Parker bei Mrs. Schwartz anrief um von dem schlimmen Wort zu berichten. Nebenan das Zimmer der Jungs mit Postern und jeder Menge Comics aus der Zeit. Nur ein Raum war verschlossen.  Das ist vermutlich das Gästezimmer für zahlende Gäste. Sie können nämlich im ACSH übernachten, für ein paar Tausend Dollars sogar an Weihnachten.

Der Guide führte uns noch nach draußen in den Hinterhof, in dem Ralphie seine erste, misslungene Schießübung gemacht hatte. Hier wurde das alles komplett gedreht und der Schuppen ist das Original.

Damit war die Hausführung beendet und es ging hinüber ins Museum. Davor ein Fahnenmast, der aber nicht das Original für Flicks festgefrorene Zunge ist. Anekdote am Rand: Die Panik des Jungen im Film war echt. Als Rache für die ständigen Streiche des Flick-Darstellers, rief Regisseur Clark im entscheidenden Moment die Mittagspause für das ganze Team aus. Die Szene wurde übrigens auch in Kanada gedreht mit einem Kunststoffmast in dem über ein kleines Loch per Luftabsaugung ein Unterdruck erzeugt wurde.

Im Museum Original-Kostüme und Requisiten, Storybooks und Fotos von den Dreharbeiten.

Z.B. Randys Schlafanzug, Ralphies Jacke und Mütze vom Schulweg, Mutters Morgenmantel vom Weihnachtsmorgen, Vaters Mantel von der Reifenwechsel-Szene, Mützen von Scut Farkus und seinem Gehilfen UND ein Original Red Ryder aus dem Film. Die Sonderanfertigung für den linkshändigen Ralphie. Davon gab es sechs Stück. Eines besitzt Peter Billingsley, heute selbst ein bekannter Regisseur und Produzent in Hollywood, eines ist hier und die anderen sind verschollen. Auch der Original- Briefkasten für die Post von der kleinen Waise Annie ist hier ausgestellt.

Auf den Fotos war zu sehen, wie künstlicher Schnee versprüht wurde, weil es trotz eisigen Wetters im Januar/Februar 1983 Schneemangel in Cleveland gab. Der Schneefall vor dem Haus in der Schlusseinstellung: Kartoffelflocken.

Der Guide erzählte auch, wie es überhaupt dazu kam, dass der Film hier gedreht wurde. Eigentlich spielt er in einem fiktiven Ort namens Homan, Indiana, wobei die Homan Street eine Hauptverkehrsstraße in Hammond, Indiana, dem Heimatort des Autors Jean Shepherd ist.

Bei den Vorbereitungen für dem Film schrieb Bob Clark ca. 300 Kaufhäuser im Mittelwesten an. Er teilte mit, dass er ein Kaufhaus suche, das von Januar bis März nachts für Dreharbeiten unter Beibehaltung der Weihnachtsdekoration zur Verfügung stegen müsse. Der familiengeführte Betrieb Higbees antwortete als Einziger und bot auch noch an, die Stadt Cleveland dazu zu bringen, ebenfalls Weihnachten zu verlängern.

So entstanden auch die Paradeszenen an einem der belebtesten Plätze Clevelands nachts zwischen 1 und 5 Uhr. Auch die Schaufensterdeko, für die Higbees schon bekannt war, kam im Film zu Ehren. Heute ist im Higbees ein Spielkasino, welches aber zu Weihnachten immer noch die alte Dekoration hervorholt.

Trotz dieses Aufwandes war ACS ja immer noch ein B-Movie, sagte unser Führer. Das führte dazu, dass manche Dinge wie sachliche Richtigkeit nicht so ernst genommen wurden. Ich selbst habe es noch nicht entdeckt,  aber bei einer Schulszene soll ein Kind eine Star Wars Uhr tragen. Zahnspangen oder die Mütze von Scut Farkus gab es noch nicht bzw. waren noch nicht populär, ebenso wenig wie die Klappergebisse in der Schublade. 

Für diesen kleinen, unbedeutenden Film wollte sich auch Melinda Dillon keine 40er Jahre Frisur zulegen. Apropos Mutter Parker. Bei der Szene im chinesischen Restaurant war Melinda Dillon als Einzige nicht in den Ablauf eingeweiht und ihre Reaktionen wurden sozusagen live gefilmt  (was die beiden Jungs genau beobachteten). Ihr ungebremstes Lachen bei der Gesangseinlage der Köche oder Ihre Reaktion als der Kellner der gebratenen Ente den Kopf abschlug.

Es gibt auch zwei Cameo-Auftritte im Film: Regisseur Clark bei der Betrachtung der Leg Lamp im Miami Dolphins Outfit (gegründet 1965)  und Vorlagengeber Shepherd am Fußes des Weihnachtsmannhügels bei Higbees, wo er sein kleines “Ich” an das Ende der Warteschlange verweist.

Wir verließen das Museum und betrachteten noch die Fahrzeugsammlung. Ein roter Feuerwehrtruck aus der Zeit, aber nicht das Original aus der Fahnenmast-Szene, sowie ein Oldsmobile – auch nicht das des Old Man, aber trotzdem aus dem Film (Parade).

Damit war die Führung zu Ende und es tat uns leid, dass so viele Leute die Truppe unterwegs verlassen hatten. Es war zum Schluss nur noch die Hälfte übrig. Wir jedenfalls haben die Tour genossen und sind nun noch mehr Fan von A Christmas Story.

Wie wurde ACS eigentlich zum Kult? Zu danken haben wir das Ted Turner, dem Medien Mogul (CNN). Der bekam dem Film nämlich als Zugabe zu einem von ihm erworbenen Paket geschenkt. Niemand anderer hatte irgendwelche Rechte an dem Werk. So konnte Turner frei und ohne Kosten schalten und walten. Turner begann den Film regelmäßig an Weihnachten ausstrahlen zu lassen. In den letzten Jahren sogar als 24 Stunden Marathon bei dem 50 Millionen Amerikaner einschalten- aber wohl nicht jeder für 24 Stunden. Bei uns  lief der Film in den letzten Jahren auch nur noch auf TNT im Bezahlfernsehen.

Ein interessanter Aspekt noch am Rande. Der Guide stellte die Frage, wie denn die Nachbarschaft die ca.  80.000 Besucher pro Jahr und die sieben Tage die Woche lautstarken Vorträge auf der Straße erträgt. Nämlich gut, weil ACSH die gesamte Nachbarschaft inkl. Wert der Häuser aufwertet. Die Haus als Non-Profit-Organisation und die Stadt Cleveland verbessern die Situation in der Gegend stetig und haben eine Safe neighborhood geschaffen. Positiv in einer von der Finanzkrise starke gebeutelten Stadt. Eine Win-Win-Situation für alle.

Wir hielten uns noch im Store auf. So viele Dinge zu kaufen und so wenig Freigepäck. Wir beschränkten und auf Schnapsgläser, Kühlschrankmagnet, T-Shirts und Mehrweg-Einkaufstasche.

Falls Sie nun Lust bekommen haben, das ACSH zu besuchen, schicken Sie doch mal eine Rückmeldung von dort.
Seien Sie kein Super-Riesenfeigling!

Vielleicht haben Sie den Film noch nicht gesehen und nun Lust darauf? Besser das an Heiligabend zu schauen als “Alien gegen Predator” oder ähnlich unfeierliches Zeugs. Lassen Sie es mich bitte auch wissen.

info(at)tipps-usa-kanada.de

Ich freue mich darauf!

Sooo viele Sachen

Fakten
Adresse: 3159 W 11th St, Cleveland, OH 44109, USA
Öffnungszeiten (2017): In der Regel jeden Tag von 10 – 17 Uhr, ausgenommen Feiertage.
(damit die Angestellten Zeit mit der Famiie haben, sagt der Inhaber. Bemerkenswert!)
Eintrittspreise (2017): 11 $ regulär, Kinder bis 2-12 Jahre 8 $, Senioren ab 60 9,50 $